Später Gläubigerverzicht

Eine knifflige Sache ist der Verzicht eines Gläubigers nach dem Schlusstermin an der Teilnahme der Verteilung.

Die Tabelle ist nun nicht mehr zu ändern – wie gehe ich als Sachbearbeiter damit um? Die Gläubiger haben allesamt den Vorteil, dass der durch den Verzicht frei gewordene Betrag in die freie Masse zurückfließt, einen Nachteil gibt es nicht.

Der Verzicht ist eine Willenserklärung des Gläubigers, die – auch noch zum Zeitpunkt nach dem Schlusstermin – Berücksichtigung finden und nachvollziehbar sein muss.

In INVEP rufen wir eine weitere Prüfung auf, und geben den Verzichtsbetrag in dem Feld Rücknahmen ein. Bei Bemerkungen schreiben wir dann hin, dass der Gläubiger mit Schreiben vom … auf die Teilnahme bei der Verteilung verzichtet hat.

Selbstverständlich ist dies dann keine Prüfung im Sinne einer Prüfung vor dem Schlusstermin. Vielmehr tragen wir nur die Rücknahme auf diese Art ein und dokumentieren den Vorgang auf diese Weise für alle Beteiligten durchsichtig! Wenn eine Anschriftenänderung vorgenommen wird, ist dies auch keine Änderung der Tabelle, trotz dass sie erfasst werden muss.

Somit sind wir unserer Pflicht nachgekommen, für alle Gläubiger die bestmögliche Quote zu generieren und haben gleichsam dem Wunsch des verzichtenden Gläubigers Rechnung getragen, indem wir ihn aus der Verteilung zugunsten der restlichen Gläubiger raus genommen haben.

Nicht zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass sich der Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder sogar strafbar machen würde, wenn er auf den Verzicht des Gläubigers an der Teilnahme der Verteilung keine Rücknahme eintragen würde.

Im StGB § 266 (Untreue) steht:
(1) Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Sicher, es wird in so einer Konstellation nie um so viel Geld gehen, dass es sich lohnen würde, strafrechtlich vorzugehen. Dennoch darf der Verzicht eines Gläubigers an der Verteilung der Quote nicht ignoriert werden und muss zugunsten der restlichen Gläubiger bei der Verteilung Berücksichtigung finden.

 

 

 

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